Das Emirat von Sizilien (DII Kurs)

Wusstet ihr, dass die größte Insel des Mittelmeers, Sizilien, einst ein Emirat war? Heute gehört sie zu Italien, genauso wie Sardinien, doch diese waren einmal unabhängige Gebilde. Es gibt auf Sizilien immer noch einiges zu entdecken, das auf den einst bestehenden islamischen Kontext hinweist, doch lasst uns von vorne beginnen, und zwar beim Römischen Reich.

Uns allen müsste die 30. Sure im Koran, Sure ar-Rum bekannt sein, die mit „den Römern“ übersetzt wurde. Doch anders als Julius Caesar, Gladiatorenkämpfe und Asterix und Obelix, die einem vielleicht direkt in den Sinn kommen, wenn man an „Römer“ denkt, spricht Allah hier nicht von diesen Römern. Das Römische Reich war damals in Westrom und Ostrom geteilt. Westrom umfasste das Gebiet, das wir heute als Rom, d. h. Italien bezeichnen und sich bis nach Spanien, England und insgesamt Zentraleuropa erstreckte. All diese Gebiete zählten zu Westrom.

Andererseits umfasste Ostrom das, was heute der Balkan ist, nämlich Griechenland, Ägypten, Türkei usw. Und genau dazu zählten auch Malta und Sizilien. Diese beiden waren also nicht Teil des westtrömischen sondern des oströmischen Reichs, d. h. die Grenze musste irgendwo bei Sizilien verlaufen sein, da sie ja heute als italienische Insel gilt.  

Wenn Allah also von „den Römern“ in Sure ar-Rum spricht, redet Er nicht von den Weströmern, sondern von ihren Nachfolgern, den Oströmern bzw. Byzantinern. Westrom war durch die Angriffe germanischer Stämme zerfallen und wurde dem Erdboden gleichgemacht, sodass nur noch Ostrom übrig blieb. Bei den Byzantinern handelte es sich also um Grunde um orthodoxe griechischsprachige Oströmer, und ebendiese Byzantiner hatten einst Sizilien in ihrem Besitz. 

Doch diejenigen, die unter dem byzantinischen Reich standen, führten kein gutes Leben. Vergleichbar war ihre Situation mit den koptischen Christen in Ägypten, denen es so schlecht ging, dass sie sogar im Grunde Muslime unterstützten und „zur Hilfe herbeiriefen“, um ihnen gegen das Joch der Byzantiner zu helfen. Byzanz bestand damals aus katholischen und orthodoxen Christen, wobei sich erstere Westrom näherfühlten und letztere Ostrom, d. h. die Zwiespalt bestand damals schon, unter der wiederum die beherrschten Völker litten. Ähnlich wie die koptischen Christen in Ägypten war es also auch das Magistrat von Sizilien selbst, das die Muslime im Grunde „herbeirief“, um gegen ihre Unterdrückung vorzugehen. Jetzt ist die Frage: Von welchen „muslimischen Errettern“ ist jetzt hier die Rede?

Damals herrschte in Nordafrika eine interessante Dynastie, und zwar die der Aghlabiden. Dabei handelte es sich um eine muslimische Dynastie, die hauptsächlich im Bereich Tunesien bis nach Algerien und Umgebung herrschte. Zwar war sie eine sunnitische Dynastie, die aber sehr stark von der Ideologie der Muʿtazila beeinflusst war. Bei den Muʿtazila handelte es sich um eine Gruppierung, die es heute so nicht mehr gibt, deren Gedankengut aber durchaus weiter existiert. Das Hauptargument lautet: Man könne alles mit der griechischen Antike, insbesondere der Logik, gleichsetzen und erklären und der Koran ist nicht das Wort Allahs, sondern ein geschaffenes Buch. Diese Denkweise hat natürlich viele Probleme in der islamischen Welt angerichtet, zu dem Ausmaß, dass sogar Gelehrte verfolgt wurden, die selbstverständlich diese falsche Ideologie nicht unterstützen konnten.

Sizilien bekam also wie gesagt anfangs Hilfestellung von den Aghlabiden. Sie herrschten in der Zeit von 800 bis 909 und waren eben während dieser Zeit auch in Sizilien tätig. Sie griffen sogar ziemlich zu Beginn ihrer Regierungszeit bestimmte sizilianische Städte an und machten sich diese zu eigen. Wir halten also fest: Die Aghlabiden war eine muslimische Dynastie im 9. Jahrhundert und haben Sizilien mitbeherrscht.

Ein Jahrhundert später wurde Sizilien von einer anderen muslimischen Dynastie übernommen, und zwar von den Fatimiden. Der wesentliche Unterschied hier war, dass diese Dynastie diesmal schiitisch war. Sizilien wird also nach wie vor von Muslimen beherrscht, allerdings jetzt von Schiiten. 

Die dritte und letzte Dynastie, die dann Sizilien beherrschte, waren die Kalbiten. Diese Dynastie wurde von Sizilianern selbst errichtet, die zuvor zum Islam konvertiert waren und die Herrschaft über Sizilien sozusagen „zurückerlangten“. Diese Dynastie war ebenfalls schiitisch.

Summa summarum: Sizilien erlebte eine anfängliche Herrschafts-Periode der sunnitischen Muʿtazila, ging über zu den schiitischen Fatimiden und erlangte nicht zuletzt die Herrschaft „über sich selbst“ zurück, nämlich durch die schiitischen Kalbiten. Es gab also einen konkreten Unterschied innerhalb der Herrschaften und Herrschaftsstrukturen, wie sie mit Muslimen sowie Nichtmuslimen umgingen. 

Im Allgemeinen führten sie allerdings durchgehend die Politik der Convivencia, eine Politik des friedlichen Zusammenlebens und der Zusammenarbeit, die man z. B. auch aus Malta, Portugal und insgesamt der iberischen Halbinsel kennt. Diese hat es zu verschiedenem Grade mit verschiedenen Freiheiten gegeben.

In unserem exklusiven DII Kurs werden wir uns ganz konkret ansehen, welche verschiedenen Dynastien es gab und bei jeder Dynastie in die Tiefe gehen. Im Beispiel Sizilien werden wir uns ansehen, wie unterschiedlich die Muslime Sizilien beherrschten und welche Hinterlassenschaften heute noch auf die einst muslimische Präsenz in Sizilien hindeuten, darunter arabisches Vokabular, Dichtkunst und Märkte.

Sizilien ist vor allem deshalb interessant, weil von Sizilien aus Malta für den Islam eröffnet wurde und die sizilianische Sprache damals ein arabischer Dialekt war, der dann nach Malta übergeschwappt ist und damit die maltesische Sprache, die wir heute kennen, geboren wurde.

Es gab tatsächlich viele Historiker, die der Meinung waren, dass die Muslime auf Sizilien einen viel größeren Einfluss auf den Rest Europas und die Renaissance hatten, als die Muslime auf der iberischen Halbinsel, obwohl letztere viel Länger herrschten (7-8 Jahrhunderte) als erstere (2-2 1/2 Jahrhunderte).

Woran das nicht zuletzt hätte liegen können und mehr besprechen wir wie gesagt in unserem DII Kurs!


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