Die Kraft der Dankbarkeit im Islam

Dankbarkeit im Islam, auch bekannt als (شُّکْر, shukr), ist eine tiefe spirituelle Haltung, die die aufrichtige Anerkennung und Wertschätzung der Segnungen Allahs umfasst. Durch sie erkennen wir die die Quelle aller materiellen und immateriellen Gaben und Wohltaten und werden uns bewusst, dass diese bei weitem nicht selbstverständlich sind. Dankbarkeit im Islam geht über Worte hinaus und prägt das Handeln, die Denkweise und die Beziehung zu Allah.

Das Konzept der Dankbarkeit im Islam

Allgemein betont der Islam, dass Dankbarkeit nicht nur ein gelegentlicher Akt der Höflichkeit, sondern eine anhaltende Geistes- sowie Herzenshaltung und eine wesentliche Tugend ist. Indem wir die Segnungen Allahs anerkennen und wertschätzen, entwickeln wir ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit und Demut.

Dankbarkeit im Islam beschränkt sich zudem nicht nur auf materielle Segnungen. Sie erstreckt sich auch auf immaterielle Gaben wie Gesundheit, Wissen, Glaube, die Möglichkeit zu beten und sogar die Luft zum atmen. Als Muslime werden wir dazu ermutigt, sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren Segnungen zu erkennen und dankbar für sie zu sein, denn das führt zu einer engeren Verbindung mit Allah, da uns wir bewusst werden, dass jeder Segen von Ihm und durch Ihn kommt.

Durch das Ausdrücken von Dankbarkeit erkennt der Einzelne seine Abhängigkeit von Allah an und fördert so Demut und eine Haltung der Unterwerfung. Dies mag nicht zuletzt Grund dafür sein, dass Allah sogar sagt:

Wenn ihr dankbar seid, werde Ich euch ganz gewiß noch mehr (Gunst) erweisen. (14:7)

In Anbetracht dessen… wie töricht wären wir, wären wir nicht dankbar?

Dankbarkeit in der Praxis

Der Islam bietet verschiedene Möglichkeiten, um Dankbarkeit auszudrücken, die weit über das bloße „Danke sagen“ hinausgehen. Einer der wichtigsten Wege sind die عبادات ‚ibadaat, die gottesdienstlichen Handlungen, zu denen das tägliche Gebet, das Fasten und das Spenden gehören.

Nehmen wir nur einmal das Fasten als Beispiel: Es drückt Dankbarkeit aus, indem es das Bewusstsein dafür schärft, dass Segnungen wie Nahrung vergänglich sind, während es gleichzeitig das Mitgefühl für die Armen und Bedürftigen fördert und den Wert dessen unterstreicht, was man besitzt. Der Ausdruck der Dankbarkeit durch die Praxis des Fastens ist zudem ein Schutz vor den Fallstricken des Materialismus. Es erinnert uns Muslime daran, dass wir bloß Hüter unseres „Besitzes“ sind und dass dieser Segen jederzeit wieder von Allah, dem eigentlichen Besitzer, weggenommen werden kann. Diese Perspektive ermutigt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und motiviert zu Wohltätigkeit.

Auch das Konzept desذِكْر dhikr ist im Islam eng mit der Dankbarkeit verbunden. Muslime werden aufgefordert, Allah für Seine grenzenlosen Segnungen und Seine Barmherzigkeit zu lobpreisen und Seine Souveränität über alle Dinge anzuerkennen.

Weitere Vorteile von Dankbarkeit

Das Praktizieren von Dankbarkeit im Islam bringt unzählige Vorteile mit sich, sowohl im spirituellen als auch im weltlichen Bereich. In spiritueller Hinsicht hilft Dankbarkeit uns dabei…

  • die Beziehung zu Allah zu stärken
  • ein Gefühl der Zufriedenheit und des inneren Friedens zu kultivieren
  • insgesamt das Wohlbefinden zu steigern
  • Positivität auszustrahlen

Obige Vorteile sind eng mit den weltlichen verbunden, indem Dankbarkeit…

  • die Atmosphäre um uns herum aufhellt, was gesunde und harmonische Beziehungen begünstigt
  • zwischenmenschliche Beziehungen aufwertet, indem sie Demut, Geduld, Empathie und Nachsicht fördert
  • für eine bessere Welt mit harmonischeren Gemeinschaften sorgt

Dieses umfassende Verständnis von Dankbarkeit führt zu einer ganzheitlicheren Wertschätzung des Lebens und verringert den Raum, in dem negative Emotionen überhaupt erst entstehen können, allen voran eines der zerstörerischsten Gefühle überhaupt, das unser Prophet ﷺ bereits als „Verbrenner der guten Taten“ beschrieb: Neid.

Ein Schutzschild gegen Neid

Neid, im Arabischen حَسَد hasad, ist ein starkes Gefühl, das entsteht, wenn jemand begehrt, was andere besitzen, und hofft, sich wünscht oder gar versucht, ihnen diese Segnungen vorzuenthalten. Während es im Islam noch eine andere, „harmlosere“ und möglicherweise sogar positive Form des Neids gibt (genannt ghibtah, bei der jemand das begehrt, was eine andere Person an guten Taten, Rang oder Nähe zum Gesandten Allahs ﷺ hat, ohne zu hoffen oder zu wünschen, dass ihm diese Gunst genommen wird und andererseits positiv motiviert wird, in diesen Dingen nach seinem Vermögen nach mehr zu streben), betrachtet der Islam Neid überwiegend als negative Kraft (da erstere Form einfach die unter den Menschen verbreiteste ist), die das spirituelle Wohlbefinden eines Menschen auffrisst und zu Verbitterung, Groll und sogar zu schädlichen Handlungen führen kann.

Dankbarkeit, wie sie der Islam propagiert, ist ein Schutzschild gegen Neid. Wenn Muslime von ganzem Herzen dankbar sind, richten sie ihren Blick nicht mehr auf das, was ihnen fehlt, sondern auf die unzähligen Segnungen, die ihnen zuteil geworden sind. Die zentrale rhetorische Frage in der 55. Sure im Qur’an, Sure al-Rahman, lautet nicht umsonst:

„Welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr beide denn leugnen?“

Auch sollte man sich daran erinnern, dass das Empfinden von hasad im Grunde nichts anderes bedeutet, mit Allahs Dekret und Seinem göttlichen Plan unzufrieden zu sein und sogar so weit zu gehen, diesen in Frage zu stellen. „Warum ist er/sie erfolgreicher/schöner/wohlhabender/intelligenter etc. als ich?“. Allah hat jedem Menschen sein رِزْقُ rizq nach Seiner allumfassenden Weisheit gegeben und Er erinnert uns im Qur’an:

Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist, und vielleicht ist euch etwas lieb, während es schlecht für euch ist. Allah weiß, ihr aber wisst nicht. (2:216)

Dieser Perspektivenwechsel neutralisiert den fruchtbaren Boden, auf dem Neid erst Wurzeln schlagen kann.

Fazit

Insgesamt ist Dankbarkeit nicht nur eine oberflächliche Geste, sondern eine Grundeinstellung, die die Denkweise und das Handeln eines Muslims prägt. Die in der islamischen Lehre tief verwurzelte Dankbarkeit ist eine starke Kraft, die spirituelle Wachstum fördert und die giftigen Wurzeln von Gefühlen wie Neid zerstört. Durch Dankbarkeit verlagern Muslime ihren Fokus von dem, was ihnen fehlt, auf die unzähligen Segnungen, die ihnen von Allah zuteil geworden sind, was zu einem zufriedenen, mitfühlenden und harmonischen Leben beiträgt.


🌐 Folgt uns ebenfalls auf YouTube, Facebook, Instagram und tretet unserem Telegram-Kanal.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen